Ilkka Remes über die Hintergründe seines Romans "Das Erbe des Bösen"
EINLEITUNG
Ich wollte einen Thriller schreiben, in dem sich die Wirren des Zweiten Weltkriegs,
das Labyrinth des Kalten Krieges und die Welt der Gegenwart mit ihren aktuellen, neuartigen
Bedrohungen überschneiden. Mir fehlte jedoch zunächst eine konkrete Perspektive, um den Zugang
zu der Geschichte zu finden.
Dann stieß ich auf Sigfried Ruffs und Hubertus Strugholds 1939 erschienenes Buch über
Luftfahrtmedizin und wenig später auf dessen Neuausgabe aus dem Jahr 1944. Die neue
Fassung war um aktuelles Forschungsmaterial ergänzt worden, dessen Ursprung erschütternd
offensichtlich war, obwohl die Quelle nicht genannt wurde: Mit Beklemmung musste ich
festzustellen, dass auch ich letztlich von den Menschenversuchen, die im Konzentrationslager
Dachau durchgeführt wurden, profitierte - so wie jeder davon profitiert, der ein Flugzeug besteigt.
Von Piloten und Astronauten ganz zu schweigen.
Diese Erkenntnis war für mich der Schlüssel zu meinem Roman und zu der Perspektive,
aus der ich meine Geschichte erzählen wollte.
Nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" wurde Dr. Strughold von den USA eingeladen,
seine Bahn brechende Arbeit in Amerika fortzusetzen. Über Nacht war aus dem Erzfeind ein
Verbündeter geworden. Das Gleiche geschah mit Wernher von Braun und vielen anderen deutschen
Wissenschaftlern, die im Zuge der geheimen Operation Paperclip in die Vereinigten
Staaten geholt wurden.
Die Versetzung von Vertretern des ehemaligen Erzfeindes mitten ins Herz der US-Weltraumforschung spiegelt
den Opportunismus einer Großmacht wider, wenn es um die Wahrung eigener Interessen geht. Auch in der Zeit
zwischen dem Kalten Krieg und der Gegenwart hat sich hier nichts verändert, und das müssen die Figuren in
DAS ERBE DES BÖSEN bitter erfahren.
Im Brennpunkt des Romans stehen deutsche Wissenschaftler und ihre Erben, darüber hinaus
aber auch jene Wissenschaft in Nazi-Deutschland, deren Erkenntnisse sich noch heute auf
unser Leben auswirken, ob wir das sehen wollen oder nicht.
DAS ERBE DES BÖSEN enthält authentisches Material. So beruhen unter anderem die Passagen
über die Operation Paperclip, über Hitlers Atomprogramm, über Eugenik und über die
Menschenversuche, die nach dem Krieg in den Vereinigten Staaten vorgenommen wurden,
ebenso auf Tatsachen wie die Schilderung der Wettrennens zum Mond. Insgesamt machen
die historischen Fakten freilich nur einen Bruchteil des Romans aus, aber sie sind
dafür umso wichtiger, denn keine Fantasie kann sich so unglaubliche Dinge vorstellen.
Ein kommentiertes Verzeichnis der Quellen, die ich benutzt habe, finden Sie hier (PDF 114 KB)
Download Hintergrundmaterial (PDF 2,64 MB)
nach oben
